Rund 50 Menschen aus Politik, Naturschutz und Zivilgesellschaft setzen sich vor Ort für den Erhalt des einzigartigen Waldgebiets ein. Nach dem erneuten Vorstoß der Basalt AG darf der Schutz der Natur nicht wieder infrage gestellt werden.
Bei echtem Westerwälder Regenwetter haben sich rund 50 Menschen auf Einladung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Westerwaldkreis am Nauberg getroffen, um ein gemeinsames Zeichen für den Erhalt des Naturschutzgebiets zu setzen. Mit dabei waren die Europaabgeordnete Jutta Paulus, Katrin Eder, Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im rheinland-pfälzischen Landtag, Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerinitiative „Erhaltet den Nauberg“, der Naturschutzinitiative (NI), des BUND und des NABU, Mitglieder der Kreistage Altenkirchen und Westerwald, Vertreter von Ebertseifen Lebensräume e. V., sowie die Bürgermeister von Norken, Luckenbach und Mörlen. GRÜNE aus den Kreisverbänden Westerwald und Altenkirchen unterstützten ebenfalls den gemeinsamen Einsatz. Vertreter des Forstamts haben die Veranstaltung begleitet.
Anlass ist der erneute Vorstoß der Basalt AG, im heute geschützten Nauberg Basalt abzubauen. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz im Dezember 2025 die Normenkontrollklage der Basalt AG gegen die Ausweisung des Naubergs als Naturschutzgebiet abgewiesen hatte, stellte das Unternehmen am 22. Juni 2026 beim Landesamt für Geologie und Bergbau einen Antrag auf Befreiung von den Schutzvorschriften. Damit steht ein Naturraum erneut unter Druck, dessen Schutz nach jahrelangem Engagement 2024 offiziell ausgewiesen wurde.
Jutta Paulus: „Ein Juwel wie den Nauberg gibt es nur selten“ Jutta Paulus, Mitglied des Europäischen Parlaments, machte die Bedeutung des Gebiets für Natur und Menschen deutlich. Angesichts des fortschreitenden Artensterbens seien intakte Ökosysteme unverzichtbar:
Sie sicherten sauberes Wasser, fruchtbare Böden und gesunde Lebensbedingungen. Der Nauberg biete bedrohten Arten Rückzugsräume und wirke in heißen Sommern kühlend. „Dieser wertvolle Naturraum darf nicht für privatwirtschaftlichen Gewinn geopfert werden“, betonte Paulus.
Auch Katrin Eder, Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Landtag Rheinland-Pfalz und ehemalige Umweltministerin, war vor Ort, um die Engagierten zu unterstützen. Unter ihrer Verantwortung als damalige Umweltministerin war das Naturschutzgebiet Nauberg ausgewiesen worden.
Die Unterschutzstellung bewahrt einen außergewöhnlichen Buchenwald mit alten Bäumen, zahlreichen Quellbiotopen und einer hohen biologischen Vielfalt.
Naturschutzverbände warnen vor unwiederbringlichen Schäden Die Naturschutzinitiative e. V. (NI), vertreten durch ihre Vorstände Gabriele und Harry Neumann, warnt vor den weitreichenden Folgen eines möglichen Abbaus. Die geplanten Eingriffe seien mit dem Schutz der wertvollen Waldökosysteme nicht vereinbar. Besonders die 180 bis 200 Jahre alten Rotbuchen, der hohe Totholzanteil und die Quellbereiche seien für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten von herausragender Bedeutung. Auch die Funktion des Naubergs als Lebensraum und überregionaler Vernetzungskorridor für Arten wie die Wildkatze wäre gefährdet.
Die Naturschutzinitiative fordert die Landesregierung auf, das gesamte 425 Hektar große Naturschutzgebiet dauerhaft zu schützen und den geplanten Abbau zu verhindern. Die beantragten Befreiungen von den Schutzvorschriften sowie die Zulassung eines Rahmenbetriebsplans müssten abgelehnt werden.
Auch der NABU Kroppacher Schweiz und Gebhardshainer Land/Wissen sieht in einer Aufhebung des Schutzes einen unverhältnismäßigen und unwiederbringlichen Eingriff. Nach Angaben des NABU würde das Vorhaben über einen Zeitraum von etwa 25 Jahren mindestens 24,1 Hektar umfassen und rund 23 Hektar Buchenwald betreffen, darunter mindestens zwölf Hektar wertvollen Altbuchenbestand. Hinzu kämen Belastungen durch Lärm, Sprengungen, Staub und Transportverkehr für die umliegenden Ortschaften.
Besonders kritisch bewertet der NABU die Folgen für den Wasserhaushalt: Von drei bestehenden Quellen würden nach den vorliegenden Angaben zwei unwiederbringlich wegfallen. Gerade angesichts zunehmender Trockenheit und sinkender Grundwasserneubildung sei der Erhalt der Quellen von besonderer Bedeutung.
Auch aus der Kommunalpolitik kommt deutlicher Widerspruch Fred Jüngerich, Beigeordneter des Kreises Altenkirchen, bezeichnete den erneuten Gedanken an einen Basaltabbau im Nauberg als „Unding“. Der Naturschutz müsse absoluten Vorrang vor den wirtschaftlichen Zielen der Abbaugesellschaft haben. Sollte es notwendig werden, müsse auch ein erneuter Rechtsweg durch die Naturschutzverbände in Betracht gezogen werden. Zudem brauche es weitere Unterstützung durch die Landes-GRÜNEN.
Maria Weller von der GRÜNEN Kreistagsfraktion Altenkirchen verwies auf die Dimensionen des geplanten Eingriffs: Das Abbaugebiet liege in der Kernzone des Naturschutzgebiets. Vorgesehen seien ein etwa drei Kilometer langer Transportweg durch das Schutzgebiet und ein Abbau in 50 bis 70 Metern Tiefe. Das wäre ein tiefer Einschnitt in Natur und Kulturlandschaft. Alte Buchen, Wasserhaushalt und wertvolle Lebensräume würden ebenso gefährdet wie die Zukunft einer Region, die auch von ihrer Natur und ihrem naturnahen Tourismus lebe. „Was hier verloren geht, lässt sich nicht einfach wiederherstellen“, so Weller.
Erich Wagner, Kreistagsabgeordneter im Westerwaldkreis und Mitglied der Bürgerinitiative „Erhaltet den Nauberg“, dankte Katrin Eder für die damalige Ausweisung des Schutzgebiets sowie allen weiteren Beteiligten.
Besonders hob er die Arbeit der Forstmitarbeiter hervor, die sich für den Wasserrückhalt im Nauberg engagierten.
Bürgerinitiative und GRÜNE fordern parteiübergreifenden Einsatz Die Bürgerinitiative „Erhaltet den Nauberg“, zu der unter anderem Klaus Wilhelm gehört, setzt sich seit vielen Jahren für den Schutz des Gebiets ein. Gemeinsam mit den Naturschutzverbänden und den politischen Unterstützerinnen und Unterstützern vor Ort will sie verhindern, dass ein einzigartiger Naturraum erneut zum Gegenstand wirtschaftlicher Abbauinteressen wird.
Susanne Leber, Kreissprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Altenkirchen, betonte, dass eine erneute Genehmigung des Basaltabbaus die einzigartige Natur und die Lebensräume vieler seltener Tiere unwiederbringlich zerstören würde. Mit Blick auf die langen Hitze- und Trockenperioden des vergangenen Sommers stellte sie die Frage, warum wirtschaftliche Interessen schwerer wiegen sollten als der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Der Kreisverband Altenkirchen unterstützt den Erhalt des Naubergs ausdrücklich: Naturschutz und Basaltabbau seien an diesem Standort nicht miteinander vereinbar.
Eingeladen hatte Alexandra Abresch-Cäsar als Sprecherin des Kreisverbands Westerwald von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Das Treffen machte deutlich, dass der Schutz des Naubergs Menschen und Organisationen über Kreis- und Parteigrenzen hinweg verbindet. Die Beteiligten wollen ihre Kräfte bündeln und setzen auf einen breiten politischen und gesellschaftlichen Rückhalt.
Alexandra Abresch-Cäsar erklärt: „Der Nauberg ist ein Naturerbe des Westerwalds und zugleich ein Schatz für kommende Generationen. Alte Buchenwälder, Quellen und ungestörte Lebensräume lassen sich nicht beliebig ersetzen. Wir dürfen nicht zulassen, dass ein bereits ausgewiesenes Naturschutzgebiet erneut für den Basaltabbau infrage gestellt wird. Wir erwarten, dass der Schutz dieses einzigartigen Naturraums Bestand hat.“ Die Botschaft des Treffens ist klar: Der Nauberg muss als Naturschutzgebiet in seiner gesamten Größe erhalten bleiben. Die Beteiligten appellieren an die Landesregierung, die zuständigen Behörden und die politischen Verantwortlichen, sich für den dauerhaften Schutz einzusetzen. Der Nauberg darf nicht zum Industriegebiet werden.


